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Anfang des Jahres hätte ich es nie für möglich gehalten, dass dieser Sommer der Sommer unseres Lebens wird! Zu niederschmetternd waren Almas Diagnosen und zu ungewiss die Zeit nach unserem Umzug in eine neue Stadt. Würde es wieder Orte geben, die nicht zu wildreich sind und an denen ich Alma ohne Angst frei laufen lassen konnte? Würde Alma nicht die Nutrias vermissen, die sie stets vom Ufer aus voller Eifer beobachtet hat? Wie würde sie den Umzug verkraften, schließlich ist sie in den letzten zwei Jahren ein echtes Gewohnheitstier geworden.

Meine Ängste und Sorgen diesbezüglich sollten sich schon am Tag nach dem Umzug in Luft auflösen.

 

Und wieder ein Umzug ...

Streng genommen ist Alma Umzugs-erprobt, schließlich hat sie an zwei Umzügen mehr oder weniger aktiv teilgenommen. Aktiv, weil man das Aussortieren, Entrümpeln, Kistenpacken und Sachenstapeln einfach nicht heimlich bewerkstelligen kann und passiv, weil sie am Tag des Umzugs von meiner Familie betreut wurde. Die Zeit des Aufbruchs bereitet ihr dabei immer mehr Bauchweh, als der Umzugstag und der Einzug in eine neue Wohnung selbst. Ich habe immer noch ihren vorwurfsvollen und ungläubigen Blick in Erinnerung, als zwei Mädels unseren Esstisch abholten, den ich bei eBay-Kleinanzeigen inseriert hatte.

Wenn allerdings in der neuen Wohnung alles an Ort und Stelle steht und alle um sie herum sind, die ihr wichtig sind, machen ihr neue Wohnungen rein gar nichts mehr aus. Es ist, als hätten wir hier schon ewig gewohnt. Besonders schnell hat sich Alma mit dem Aufzug angefreundet. Er ist ziemlich beengt und da sich die Lichtschranke leider über ihrem Kopf befindet, haben wir ihr beigebracht, zügig am anderen Ende der Kabine Platz zu nehmen. Es hat keine drei Tage gedauert und Alma war ein Aufzug-Profi.

 

Endlich Freilauf ...

Wenn ich mit Alma unterwegs bin, habe ich in letzter Zeit oft das Gefühl gehabt, dass sich ein Kreis schließt. Wir sind wieder in meine Heimatstadt gezogen. Hier hat vor ca. acht Jahren die Geschichte von Alma und mir ihren Lauf genommen. Hier haben wir viele schöne Erfahrungen gemacht, wie stundenlange Fahrradtouren auf dem Elberadweg, aber auch viele Rückschläge eingesteckt, wie Beißvorfälle mit anderen Hunden oder Almas Jagdausflüge.

Wenn wir heute auf unseren Lieblingswiesen unterwegs sind, genießt Alma das Privileg des Freilaufs. Vorbei sind die Zeiten, in denen sie ohne jede Wildsichtung einfach Gas gegeben hat und verschwunden ist. Die Mischung aus vertrautem Miteinander und dem Nachgehen eigener Interessen, wie zum Beispiel ihren Besuch im Schilf, erfüllt sie. Uns hat man damals bestimmt in etlichen Hundetrainer-Karteien gefunden und nur wenige davon hätten wahrscheinlich geglaubt, dass dies einmal möglich sein würde.

 

Wasser, ein neues Element ...

Erinnert ihr euch noch an meinen Blogbeitrag „Bitte nicht vom Beckenrand springen“? Selbst zartduftende Würstchen konnten Alma vor einem Jahr noch nicht davon überzeugen, dass Wasser an heißen Sommertagen eine willkommene Abkühlung ist. Diesen Sommer hat Alma es sich dann doch anders überlegt. An den ersten warmen Tagen nutze sie das kleine Flüsschen entlang unserer Lieblingswiesen, um sich durch ein paar Schwimmzüge abzukühlen. Dachte ich anfangs noch, es würde sich um einen Zufallstreffer handeln, so ist es für Alma zu Beginn eines Spazierganges und bei entsprechender Temperatur zu einem festen Ritual geworden. Und es tut ihr einfach gut!

 

Neue und alte Freunde ...

In unserer alten Stadt gab es für uns wenige Möglichkeiten, mit anderen Hunden unterwegs zu sein. Trotzdem wir beide manchmal die Stille der Zweisamkeit genießen, macht es Alma wie mir Spaß, Spaziergänge auch in Gesellschaft zu verbringen. Ich bin sehr froh, dass wir auch in den Jahren unseres Wegseins den Kontakt zu unseren „Hundefreunden“ bewahren konnten und jetzt viele gemeinsame Spaziergänge unternehmen. Zudem ist auch meine Schwester in die Heimat zurückgekehrt und mit ihr drei wundervolle Hundemädels, mit denen sich Alma bestens versteht. Ein regelmäßiger Kontakt mit acht unterschiedlichen und wundervollen Hundepersönlichkeiten ist also garantiert.

Und wir haben neue Hundefreundschaften geschlossen, die unsere Freizeit einfach bereichern. Noch vor fünf Jahren bin ich so ziemlich jedem Hund ausgewichen, weil ein Kontakt böse Folgen hätte haben können. Heute können wir anderen Hunden entspannt begegnen. Sie sind an der Leine, geht Alma weiter, ohne den anderen Hund beschnuppern zu wollen. Ist er jedoch frei und kommt auf uns zu, muss ich nicht in Panik verfallen, kann Alma mit einem Kommando auflösen und sie nimmt bestimmt, aber stets freundlich und höflich Kontakt auf.

Unsere gemeinsamen Spaziergänge sind für mich das Ankommen nach einer langen Reise. Alma kann auch Monate nach ihren Diagnosen dabei sein, am Leben aktiv und intensiv teilhaben, es gibt nur wenige Einschränkungen und ich fühle mich ihr einfach so verbunden.

 

Vor zwei Tagen bin ich morgens aufgewacht und das Gefühl des Sommers ist der Ahnung auf den Herbst gewichen. Er wird großartig werden, das weiß ich! Das Sommermärchen aber bleibt!

 

Welches Sommermärchen habt ihr erlebt? Wir freuen uns auf eure Geschichte(n)!

 

Eure Anja und Frau Alma

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